Erinnern, um nicht zu vergessen



Der Museumsverein bereitet in diesem Jahr eine neue Ausstellung vor – „Die jüdischen Bürger und Bürgerinnen in Stockerau / Korneuburg 1848 – 1938“.

Diese Ausstellung wird mit teilweise verschiedenen Inhalten in den beiden Städten gezeigt werden!

Am 15. Mai wird die Ausstellung als informativer Teil eines Erinnerungsprojektes der Stadtgemeinde Stockerau eröffnet. Es werden an diesem Tag die ersten zwölf „Steine der Erinnerung“ an fünf Orten in der Stadt enthüllt. Geplant sind insgesamt 38 Steine, für die 38 Juden und Jüdinnen, die in der Shoah ermordet wurden.

Die Ausstellung wird bis 30. August im Bezirksmuseum im Belvedere Schlössl gezeigt werden.

Stockerau war der Sitz der Israelitischen Kultusgemeinde vom 1. April 1907 bis zum 30. März 1940, Mitglieder waren alle Juden und Jüdinnen des Bezirkes Korneuburg.



24 Sto Baumarkt 2JPGDer „1. Baumarkt“, W. Jelinek, Großkaufhaus, um 1937



Die jüdischen Gemeinden Stockerau und Korneuburg waren stark ineinander verflochten. Es gab viele familiäre Bindungen und noch mehr gemeinsame Interessen gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und religiöser Natur.

In Korneuburg wird die Ausstellung am Samstag, 1. Oktober um 18.00 Uhr, zur „Langen Nacht der Museen“ eröffnet. Am Sonntag, dem 2. Oktober 2022 ca. 10.30 Uhr, wird am Jüdischen Friedhof, er liegt am Westende des Kommunalfriedhofes, eine Tafel – zum Gedenken an die in der Shoah ermordeten Juden und Jüdinnen Korneuburgs, 1938 –1945 – enthüllt.

Die Initiative zur Gedenktafel ging vom Museumsverein aus. Die Stadt wird das Vorhaben unterstützen, an der Mitwirkung von Sponsoren wird gearbeitet.



12 KO-Friedhof_1500xjpgJüdischer Friedhof, Korneuburg



Warum (erst) zu diesem Zeitpunkt?

Die Korneuburger Juden waren lange kein Thema. Die, die sie gekannt haben mussten, sprachen nicht. Jene, die sie nicht gekannt hatten, fragten nicht. Sie waren auch nicht interessiert.

Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Viele Aktionen des Museumsvereines – Ausstellungen, Veröffentlichungen, Initiativen zur Restaurierung der ehemaligen, mittelalterliche Synagoge, u.a. haben bewusst gemacht, dass in Korneuburg eine kleine, sehr aktive Jüdische Gemeinde existiert hat, die aktiv an der Entwicklung der Stadt beteiligt war.

Es sind achtzig Jahre vergangen, als die Korneuburger und Stockerauer Juden in die Vernichtungslager im Osten des damaligen Deutschen Reiches deportiert wurden. 84 Juden und Jüdinnen der Deportierten des gesamten Bezirks kamen nicht mehr zurück.


Nun zum Inhalt der Ausstellung.

  1.  Zum Eingang wird kurz auf die Ereignisse um die erste Jüdische Gemeinde, die vom 13. Jahrhundert bis 1421 in Korneuburg lebte, Bezug genommen. Nach ihrer Vertreibung gab es in diesem Raum bis ins 19. Jahrhundert keine jüdische Gemeinde mehr.

  2. Hier werden die politischen und rechtlichen Umstände vorgestellt, die eine Rückkehr der Juden nach Niederösterreich möglich machte.

  3. Es wird die Geschichte, seit 1848, des langen Aufbaues der jüdischen Gemeinden, bis zum Leben in der gemeinsamen Kultusgemeinde und die dazu gemeinschaftliche und religiöse Infrastruktur, wie Friedhof, Synagoge, Vereine u.a., vorgestellt.

  4. Der Aufwuchs der jüdischen Bevölkerung, das Leben der Personen und Familien, sowie ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen, die wesentlich zur Entwicklung der beiden Kleinstädte beigetragen hatten, ist der Hauptteil. Ihr Leben soll dominieren, ihr Untergang aber ist das Ende einer nicht einmal hundertjährigen Geschichte jüdischer Menschen und ihrer Gemeinden.
    Diese Geschichte hat in Stockerau und Korneuburg viele Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte. Aber die Menschen waren doch verschieden und dies soll auch differenziert dargestellt werden.

  5. Dieser Teil, wird aus Gründen der kurzen Vorbereitungszeit, nur in der Korneuburger Ausstellung gezeigt werden. Hier soll die Agitation der lokalen Antisemitisten, auf Grund der Auswertung lokaler und regionaler Zeitungen und anderer Recherchen, dargestellt werden.

Die wissenschaftliche Grundlage der Ausstellung und der Gedenksteine und -tafel ist das Buch von Klaus Köhler, „Ein so ein schrecklich zerrissenes Leben…“ Leben und Schicksal der Juden im Bezirk Korneuburg 1848 – 1946, Wien 2013.




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Buchcover "Ein so schrecklich zerrissenes Leben... ", Klaus Köhler
(auch im Museumsshop des Stadtmuseums Korneuburg erhältlich)


Wir werden weiter über den Fortgang der Arbeiten berichten und Sie rechtzeitig über die genauen Zeiten der Eröffnungen informieren.

Mag. Klaus Köhler
Museumsverein Korneuburg,
Kustodiat Synagoge und jüdisches Leben in Korneuburg