LACHEN, TRÄUMEN, FANTASIE – Figurentheater in Korneuburg, Interview mit Sven Stäcker

Sven Stäcker ist Puppenspieler, Schauspieler, Clown, Regisseur, Stückeschreiber, Puppenbauer und Sammler. Das Stadtmuseum Korneuburg zeigt derzeit seine Ausstellung „Puppen“. In Korneuburg spielt er im Stadtmuseum und "Puppentheater Korneuburg" für Kinder und Erwachsene. 

Das Coronavirus hat bei uns allen viel verändert. Auch in der Museumswelt und für Künstler*innen wurde und ist von einem Tag auf den anderen alles anders. Wie hast du die letzten Wochen erlebt und was konntest du persönlich aus dieser Krise Positives mitnehmen?
Meine Familie und ich haben es uns hübsch gemacht. Jeder und jede hatte aber genug Freiräume, um eigenes zu tun. Sei es lesen, malen, schreiben, Musik hören, mal nichts tun…. Trotzdem arbeitete ich. Im Krankenhaus Wiener Neustadt habe ich im Tagdienst oder Nachtdienst verbracht. Patienten fragen ob sie Fieber haben, oder ob sie im Ausland waren, ob sie halt Corona gefährdet sind. Auch arbeitete ich in einer Apotheke, um die Käufer aufzuhalten, damit sie nicht alle auf einmal die Apotheke stürmen, etc.
Im Reading Room Wien las ich mehrere lustige kluge Geschichten von Mark Twain für Videos ein. Für die evangelische Kirche Simmering las ich Geschichten aus der Bibel für Videos ein. https://www.youtube.com/watch?v=8HYOGwB-k_8  https://www.youtube.com/watch?v=D1MO04sL_XQ 

Am 5. Juli wird das Stadtmuseum Korneuburg wieder geöffnet. Du spielst zwei Vorstellungen „Froschkönig“ und deine momentane Ausstellung „Puppen“ kann besichtigt werden. Welches Wissen, welche Emotionen sollen die Besucher*innen nach dem Ausstellungsbesuch mit nach Hause nehmen?
Ich kann keine Emotionen vorschreiben. Wünschen? Ich wünsche mir ein Entdecken. Das Entdecken des Figurentheaters für Erwachsene. Das Entdecken, dass es nicht nur Kasperltheater für Kinder gibt, sondern auch tolle Märchen und Geschichten. Ich liebe das Lachen und das Träumen und die Fantasie. Meine Stücke laufen ein wenig anders als man so kennt. Sie nehmen Kinder ernst und wollen aber auch Spaß mit ihnen haben. Bei mir gibt es ALLES und ALLES wird möglich - die Fantasie. 

Was liegt dir dabei am Herzen?
Ich möchte mich in den „Dienst“ des Puppentheaters stellen, aber dennoch hinter den Puppen zurücktreten, denn ich bin nicht wichtig. Ich möchte Geschichten erzählen, für Kinder und für Erwachsene. Wenn sie bei mir sind, sollen sie für eine Stunde ihre Probleme vergessen und abtauchen in etwas Wunderbares. 

Dein beruflicher Werdegang war sehr vielfältig. Was hat dich als Puppenspieler am meisten geprägt?
Es war die Zeit, in der ich als junger Mensch mit der reisenden Marionettenspielerfamilie Dombrowsky mit fuhr und die Marionetten kennenlernte. Die Zeit mit meinem Vater in der Funktion als Puppentheaterdirektor und Regisseur in Zwickau. Die Zeit, als ich der jüngste Puppentheaterdirektor der DDR, in der Lutherstadt/Wittenberg war. Es gibt noch vieles mehr! 

Welches ist dein liebstes Puppentheater-Stück?
Das liebste? Immer das, welches ich neu geschrieben und erarbeitet habe. 

Was liebst du an deiner Arbeit besonders?
Ich schreibe ein Stück, baue Puppen und eine Bühne und erarbeite das Stück. Wenn es zur Premiere kommt und Zuschauer erscheinen. Sie setzen sich und das Saallicht erlischt. Wenn die Zuschauer so reagieren, wie man es sich gewünscht hat. Dann bin ich sehr glücklich. 

Was bietet Puppentheater für Kinder und Erwachsene in unserer heutigen Gesellschaft?
Was es bietet? Es ist so wie es ist. Ein Saal voller Wunder, voller Träume. Man kann lachen, auch mal eine Träne verdrücken. Es ist halt so ganz anders als so ein Computerspiel. Puppentheater empfängt die Zuschauer voller Respekt und Freude. Es atmet, auch wenn es märchenhaft ist. Ich bin gegen einen pädagogischen Zeigefinger. Wenn die Kinder und Erwachsene in einer gewissen Überhöhung Dinge erleben, die sie ein klein wenig zum Nachdenken bringt, dann ist es prima. Aber alles mit Freude und Spaß.

Danke für das Interview, Sven - wir freuen uns, dich am 5. Juli bei unserer Wieder-Eröffnung im Stadtmuseum spielen zu sehen! 

Das Interview fand schriftlich am 10.06.2020 statt. Für den Museumsverein, Melanie N. Lopin